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Beiträge: 64.582

28.04.2011 03:45
Merk-würdige Nachrichten aus dem Archiv Antworten

Uwe Garrels’ Berichte um Langeooger Geschichte(n)

Folge 1: Osterfeuer und Eiertrüllen vor mehr als
fünfzig Jahren

Auch als modernes und gefragtes Urlaubsziel bewahrt Langeoog seine Ursprünglichkeit. Sie äußert sich unter anderem in einer Vielzahl alter Geschichten und Gebräuche. Ihnen spürt Uwe Garrels nach: Der Archivar der Inselgemeinde, den viele Gäste aus seinen unterhaltenden Vorträgen und Inselerkundungen kennen, durchforstet Aktenordner, befragt Insulaner, telefoniert, recherchiert. Im „Utkieker“ stellt Uwe Garrels in loser Folge nun Alltagsgeschichte(n) aus jener Zeit vor, als der Wasserturm noch jung war.

Als es noch kein Internet, nicht einmal Fernsehen gab, mussten sich die Insulaner die Abwechslung selber schaffen. Vor allem mussten sie miteinander reden, arbeiten und spielen. Wenn ein langer Winter sich neigte und das Frühjahr begann, waren alle froh über das Ende der Kälte und die schon kräftigen Sonnenstrahlen. Ostern, das Frühlingsfest (eben nicht nur ein christliches Fest, sondern allgemein ein Fest des Aufbruchs), trieb die Menschen und natürlich die Inselkinder nach draußen in die Dünen. Die erste Ostervorbereitung war das Holzsammeln fürs Osterfeuer. Frieda Döring, eine der ältesten Insulanerinnen, hat mir erzählt, dass die Kinder schon am 2. Weihnachtstag anfingen zu fragen, wann sie denn den Baum für das Osterfeuer abholen könnten. Holz war äußerst knapp auf der Insel, ehe das Wäldchen gepflanzt worden war. Das meiste brauchten die Familien als Brennholz für Herd und Ofen.


Eierfärben auf dem Holzweg
Es gab übrigens zwei Osterfeuer, denn die Kinder und Jugendlichen des Süderdorfes – vom Wasserturm aus rechts der Hauptstraße – und die des Norderdorfes (links derselben) standen in Konkurrenz zueinander und sammelten jeweils für ihren eigenen Brennplatz. Was auch den Vorteil hatte, dass sie sich die Weihnachtsbaumvorräte gegenseitig stibitzen konnten. So blieb die Zeit bis zum Abbrennen spannend. Frieda Döring erzählte, dass das Feuer der Norderdorfer in den Dünen beim heutigen Buchladen Krebs aufflammte. Wo die Süderdorfer die Flammen lodern ließen, wusste sie nicht mehr genau. Auf jeden Fall gab es damals keinen Bratwurststand, keinen Spielmannszug und auch keine Gäste zu Ostern. Die Dorfgemeinschaft blieb bis Mai unter sich. In manchem Hause herrschte Not.
Vor Ostern mussten natürlich auch die Eier gekocht und eingefärbt werden. Eier waren nicht so knapp – und gekocht wurden sie ohnehin, um sie haltbar zu machen. Zum Gelbfärben gab es Zwiebelschalen, jemand benutzte gar Späne aus dem sehr dunklen Pockholz [Hartholz des Guajakbaums, Verwendung im Schiffsbau und für Boßelkugeln; Anm. d. Red.], so dass die Eier braunschwarz wurden. Frieda Döring hatte gelernt, Eier mit Blüten, Blättern oder Grashalmen zu belegen und diese mit einem darübergespannten Netz zu fixieren. So bekamen die Eier hübsche Muster.


Nur die Harten komm’ in Frage
Am Ostersonntag besuchten alle Insulaner die Kirche. Nach dem Gottesdienst gab es ein festliches Essen und am Nachmittag ging es raus in die Dünen zum Eiertrüllen. „Eiertrüllen“ – was ist das? Ich habe mich mal bei älteren Insulanern umgehört. „Eiertrüllen“ bedeutet, Eier über den Boden zu rollen. Es gab eine Menge Varianten dieses Brauchs, mit gekochten Eiern zu spielen. Am Ende wurden alle Eier gegessen, doch zuvor hatten sie ihren ausgesprochen unterhaltsamen Einsatz.

So wurde etwa ein Ei vorweggerollt, die nächsten Spieler mussten versuchen, es zu treffen. Oder die Eier wurden einfach möglichst weit gerollt. Wenn die Eierschale dabei zerbrach, durfte der „Gegenspieler“ das Ei essen. Deshalb war es wichtig, harte Eier zu ergattern. Kleine Eier, sogenannte „Kükeneier“, mit dem Dotter in der Mitte galten als besonders hart. Die Ei-Experten konnten das mit der Zunge am gekochten Ei herausfinden. Fürs Eiertrüllen wurden in Dünen mit wenig Bewuchs richtige Bahnen angelegt. Als Frieda Döring noch sehr klein war, nahm ihr Onkel Adam sie mit in die Heerenhusdünen und baute ihr eine „Privatstrecke“. Mittels einer Holzschaufel legte er geschickt Bahnen mit Kurven und kleinen Tunnels im Sand an. Sie durfte dann durch ihre Privatbahn trüllen.

-Uwe Garrels-


Quelle: www.de-utkieker.de

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