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Dieses Thema hat 28 Antworten
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 Historisches
Seiten 1 | 2
Trödel
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24.08.2007 15:15
Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
von Wilhelm Schreiner.

Ju 52 braust über die Kaapdünen und schnellt wie ein Pfeil hinaus über die See.
Kaum weiß das Auge, wohin sich wenden ob all der satten Wunder rings: Ruhig atmet die Dünung drunten. Es läuft Ebbe. Klar heben sich die Sände aus der See.
Ju 52 sinkt. Zugleich gibt der Führer scharfe Verwindungen. Nach kurzem Schwanken liegt die Maschine vor dem Wind. Steuerbord schneidet plötzlich die Inselkette Baltrum-Norderney ins Blickfeld. Voraus dunkelt das tiefe Fahrwasser der Accumer Ee. Langeoogs Weststrand leuchtet backbord; menschenstill noch in diesen Spätfrühlingstagen. - Die Gicht wächst. Ju 52 klettert wieder, steht über der einzelnen, einsamen Dünengruppe im Süden, holt bis zur Südspitze noch immer an Höhe auf, wendet um einige Grade backbord und stzt zum Längsflug an über <dat lange Dog>, die lange Insel. Höhe und Schnelligkeit des Fluges lassen dem Auge nur Zeit, das Große zu erfassen und als Merkmal dem Bilde zu entnehmen, das wie eine lebendige Karte dem Blicke unten sich breitet.

Indes Ju 52 Melkhörn peilt, bekommt plötzlich die Insel ihr eigenes Gesicht. Luftig klein, aber Sonnenverzaubert das Dorf mit seinem grünen Meedland hinter dem großen Deich im Winkel mächtiger Dünenzüge. Schützend vor ihm gegen West und Nord die Kaapkette und die Herrenhausgruppe. Dahinter das lange Golftal, von schmälernen Randdünen gegen den Nordstrand abgegerenzt. Aber dann setzt sich ihre gebuchtete Linie plötzlich in einer geraden fort. Ein zweiter Damm? Schnurgerade schlägt er die Brücke zur nächsten großen Dünengruppe. Auch von der Wattseite her läuft das Grün der Außenweide flach und eben bis zu ihm heran. Ob da einmal die See durchbrach und die Randdünen zerschlug, so daß Menschenhand eine Inseltrennung überbrücken mußte?!...
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26.08.2007 10:10
#2 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
Schon hat die Ju 52 die Melkhörngruppe backbord unter sich. Inmitten eine ragende Düne mit hohem Kreuz, dessen langer Schatten bis ins nächste Tal fällt, das sich unübersehbar zwischen der fortlaufenden Kette der Randdünen und einem ganzen Gebirge von Binnendünen hindurchwindet. Nicht allzu hoch scheinbar liegen sie da, aber dicht bewachsen. Nistplatz ungezählter Schwärme von Seevögeln. Wie Schneegestöber geht es hier und dort durchs Blickfeld drunten.

Immer geheimnisvoller wird die Insel gen Osten. Das verschwiegene Tal hört nicht auf. Windung folgt auf Windung bis zum letzten Bogen, mit dem es wieder am Ostende südwärts in die Außenweide und das Watt mündet.

Ju 52 stößt abermals über die Randdünen auf See zu. NNO weißt der Kurs. Besonders weit laufen hier die Sandbänke hinaus. Mitten darin drei dunkle Punkte ... keine Tonnen ... Wracks? ... Auch von der östlichen Nachbarinsel Spiekeroog kommen Sände entgegen. Deutlich ist das Fahrwassser auszumachen, das in großem Bogen läuft. Quer darüber weg stößt Ju 52 immer weiter Seewärts.

Da wächst fern NNO, wie ein Schatten dunkelnd, aus dem tiefen Grünblau der See: Helgoland; und wie Spielzeuge ziehen draußen in der Ferne Dampfer und Segler auf wechselnden Kursen. Wahrlich, dort drunten, tief versackt in See und Sand, liegen mehr Wracks als die da eben im Norderriff. Da drunten hat das ünglückliche und doch so heldenhafte Seegefecht des ersten Kriegsmonats getobt. Dort sanken die <Köln>, die <Mainz>, <Ariadne> und V187 gegen eine artilleristische Übermacht von eins zu hundert...

In schnittiger Schleife hat sich Ju 52 auf Gegenkurs gelegt. Helgoland sackt aus dem Seefeld. Bei der Verwindung fällt abermals die Kimmung ins Bodenlose. Doch schon fängt sich der Vogel wieder. Ganz andere Bilder strömen heraus und herein! Im tiefen Blaugrün der See die Kette der Inseln, Kleinodien der deutschen Küste, bie tief inden Osten hinter die Jade zu überschauen. Zu Füßen aber geradeaus im neuen Kurs,wiederum <dat lange Dog> mit seinem 14 km sich dehnenden, leuchteten Strand.

Ju 52 steuert über dem zweiten großen Seegatt Langeoogs, der Okumer Balge, am Steilrand des Süderriffs vorbei, in weitem Bogen um Osterhoek aufs Watt ausholend, zwischen Insel und Festland.
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27.08.2007 12:12
#3 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
Wie es da unten stiebt von dunklen und schneeigen Vogelschwärmen über den Muschelbänken. Deutlich ziehen die tiefen Priele durch das leere Watt; querab vom Ostland immer weniger Wasser. Nur noch eine schmale Rinne! Wasserscheide zwischen der Accumer Ee und der Dßumer Balge. Klar heben sich <Rute Plate> und Stüvers Plate vor dem grünen Deich des Festlandes im Süden ab, weite Wattflächen, die sonst nur knapp die Flut deckt. Dort herum hat wohl das alte Dßum gelegen, das verschwundene Kirchspieldorf, in einer der großen Mannstränken vor hunderten von Jahren untergegangen.

Offen vor dem Blick aus der Höhe dehnt sich die Marsch hinter den Deichen mit Dörfern, Kirchtürmen, Windmühlen, Baumgruppen, Warssen und baumbestandenen Landstraßen zwischen den grünen Feldern. Deutlich läuft die Linie der neuen Langeooger-Fahrrinne vom Hafen Bensersiel herüber.

Die Insel zwingt den Blick wieder nach Steuerbord. Zwar beginnt die Ju 52 bereits an Höhe zu verlieren, aber einprägsam klar liegt im Abendschein noch einmal das ganze <lange Dog> vor dem Blick. Diese Gliederung in deutlich getrennte Dünengruppen läßt Schicksal und Geschichte ahnen. Wie das wohl alles ward, und wann, und warum so? In welchen Stürmen und Fluten?... Langeoog drunten, das die Fragen auslöst, wird sie auch beantworten müssen. Seine Dünen, ihre Täler, sein Strand und ... seine Menschen.

Das Lied des Motors ebbt ab. Ju 52 geht im Gleitflug nieder. Setzt auf. Rollt aus. Langsam nimmt das Ohr wieder anderes wahr, als nur das brausende Orgeln der Propeller.
Über dem Deich schwingt Abendläuten.
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28.08.2007 12:12
#4 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
Flinthörn erzählt

So wie seine Dünen daliegen, als geschossene Gruppe weithin sichtbar, wirbt ihr Bild mit dem ausgesrochenen Reiz des Eigenartigen und Fernen. Man spürt, sie sind ein Stück der Insel für sich.
Flinthörn? Bedeutet doch offenbar: Steinecke. Die kleineren und größeren Stücke von Feuersteinen und Granit, die dort draußen an dem sonst steinfreien Strand von Langeoog verstreut liegen und den Anlass zum Namen gaben, stammen freilich aus einer Zeit, als es hier noch weder Watt, noch See, noch Inseln gab. Die Dünengruppe selbst freilich ist eine der jüngsten der ganzen Insel; erst nach der Sturmflut von 1825 gewachsen. Größere Springfluten schwellen noch immer über die sanft gemuldete Strandbucht seewärts des langen Dammes, der, kaum ein Jahrzehnt alt, die Süderdünen mit Flinthörn verbindet. Hinter ihm dehnt sich flach der frühlingsgrüne Heller, immer fester werdendes, angeschlicktes Land, das noch bis kurz vor dem Damm deutlich Kunde gibt, ob jenseits gerade Ebbe oder Flut ist. Seine Oberfläche federt bei jedem Tritt.

Trotzig stemmt sich Flinthörn bis hart an den Abfall des Strandes zur Accumer Ee heran. Mit dunklen Kuppen und weißem, unbewachsenem Bug, gegen den Wellen und Wind in uralter Fehde liegen. Wo sie am Strand der Damm berührt und die Fläche des Hellers sich windungsreich zwischen ihnen verliert, geben Myriaden Muschelschalen Kunde von Sturm und Fluten, die sie um den Sockel herumtrugen und sich auf der stilleren Leeseite absetzen ließen. Von scharfem Gras und niedrigem Gestrüpp gefüllte Tälchen schmiegen sich bis nahe an die höheren Randdünen. Schon ist auch hier die Pflanzenwelt reicher geworden. Tuffs von Hundsveilchenleuchten blau und bunte Sandstiefmütterchen lächeln schelmisch. Die Kriechweide ist noch frühlingsbeflockt. Bereits hat die Nachtkerze auch hier Wurzel geschlagen. Weidenröschen hielten schon Einzug. Selbst die blaue Seemannsdistel hat Flinthörn erreicht.
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29.08.2007 12:12
#5 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
Nun aber rieselt reiner Sand zu Füßen. Nackte Hänge, noch in Bewegung im schaffenden Wind, grenzen die Sicht. Zwingen hinauf durch spärlichen Helm, dessen spitze Speere gegen den Himmel stehen. Da breitet sich die Sicht von der Höhe über ein strahlendes Meer. Drüben liegt Baltrum greifbar nahe. Dazwischen hängt die Flut wattein durch die Accumer Ee, die eine große Schleuse, das Seegatt zwischen Langeoog und Baltrum, durch das zugleich die Wasser des baches, der drüben an der Küste im Westeraccumersiel mündet, den Weg in die See nehmen. Die Küste scheint unwirklich nahe in der klaren Luft. Wolkenberge segeln in den Osten. Leuchtend getürmt. Im Westen brauen Bänke und sagen Wind an. Leuchtend lugen Kirche und Süderdorf über die Süderdünen herüber.

Aber auch die Nähe redet. Deutlich offenbart sich von oben der Aufbau des Flinthörngebirges. So siehts ja doch aus, genau so. Wieder wie im Gesamtbild der Insel ragen die höchsten Schutzwälle der Dünen im Westen. Streifen um einzelne flache, eben gebliebene oder in Fluten wieder eben gewordene Mulden herum und nehmen ostwärts an Höhe ab, an Ausdehnung zu, bis sie zum Heller hin auslaufen. Es sieht so aus, als ob das Ganze von Westen nach Osten im Wandern sei. Oder macht das nur der feine Sand, der im aufbrisenden Wind zu wehen beginnt und fast spielerisch dahintrudelt.

Es scheint nich nur so. Alle Inseln vor der ostfriesischen Küste sind am Wandern. Von West nach Ost. Der Wind schafft es in allen seinen Stärken. Durch seine Stetigkeit. Freilich wird das Wandern erst über Jahrhunderte hin geschehen, deutlich meßbar. Manche Inseln aber sind in dieser Spanne um ihre ganze Breite weitergewandert. Wind ist Macht.

Wolkenschatten wachsen. Die Bänke im Westen werden drohend. Aber wer die See kennt, weiß, daß Wind kommt. Kein Regen. - Nur Wind?

Nur?!" lacht der Wind und kichert in einer stiebenden Sandwehe übers Gelände. Zurück? Bewahre! Geradeaus zur Flinthörnhoek hinüber! Dem kleinen, ganz hellen Streifen niedriger, jüngster Dünen im Süden dort hinten, jenseits der weiten, weiten Sandfläche. Spürst du jetzt, daß Bänke Wind bedeuten? Hier kann er sich tummeln. Hier sieht man ihn. Je weiter der Fuß hinausträgt zur Baake auf der Südspitze, die fast genau in der Mitte zwischen dem Dorf und dem Festland liegt, desto mehr sieht man den Wind. Er treibt trockenen Oberflächensand vor sich her in ganzen Streifen. Hier trotzt ihm kein Hindernis. Sand, Sand, Sand jagt er nach Osten!
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30.08.2007 11:11
#6 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
Nur du bist Hindernis. Das wird dir noch deutlicher werden. Die Sonne ist weg. Die Bänke wuchten über den ganzen Horizont. Eine Bö nach der Anderen beginnt zu peitschen. Aber sie beflügelt und treibt förmlich vorwärts. Herrlich, dieser Wind im Rücken! Also auf Nordwest herumgegangen. Und bringt das Lied der Brandung mit. Kein Mensch auf dem weiten Sand. Nur du und der Wind.

Und er schon seit Jahrtausenden mal Jahrtausend. Bauendes und zerstörendes Werkzeug in des Schöpfers Hand.

Ja, so war es nach allem, was wir wissen und aus den Funden der Vorzeit lesen; Einst...Wann?... Einst in der Nacheiszeit brandete die Nordsee hier nicht. Ganz droben im Norden, jenseits der Doggerbank bis skagenlief die Küste. Themse, Rhein, Ems, Weser noch Nebenflüsse des Elbstroms. Das Festland, eisfrei schon, aber nicht still, senkte sich noch; hier dort, auch draußen an der fernen Küste im Norden. See brach herein. Haffe entstanden. Nehrungen blieben. Verschwanden bei neuer Senkung des Landes, bildeten sich um, wenn es sich hob. Weiter brach die Nordsee ein. Die tiefen Teile des Festlandes von einst verschlickten verschlickten. Marschland entstand im Wechsel von Senkung und Hebung. Die Kreidebrücke von Dover brach. Das Meer fraß sich von Südwesten in die Flanke der Küste und reichte der Nordsee die Hand. Das Land südlich der Doggerbank ward See. Die Doggerinsel zur Doggerbank. Die Gezeitenströme von norden und Südwesten winkeln sich wirbelnd in der südlichen Nordsee. Nagen längs den Rändern des gebliebenen Festlandes. Von Süden her setzt langsam der Kampf des Menschen gegen das Meer ein. Deiche entstehen. Vor der Küste wogt die See über grauen Schlickmassen. Bei Ebbe liegen sie fleiig trocken. Die Flut überspült sie. Manche Erhebungen nur sogar nur so eben. Einzig Sturmfluten gehen über alles hin. Aber auch sie ganz besonders bringen Sandmassen mit aus den Strombetten des Binnenlandes von den südwestlichen Küsten her und lagern sie bei Stauwasser ab. Das Rückströmen der Ebbe und eindringen der Flut reißt immer wieder Löcher zwischen ihre breite Kette.
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31.08.2007 13:13
#7 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
Bei Ebbe beginnt der Wind zu bauen. Häuft trockenen Flugsand. Hier. Dort. Auch die Flut überhöht ihn nicht mehr. Treibendes Holz, Zang bleiben liegen. Hinter ihm häuft sich erneut der Sand. Denn im Windschatten sinkt er schnell, und wäre dieser noch so klein. Möwen rasten, tun sich nieder, suchen Beute. Wo Möwen sind, bleibt die Düne nicht weiß. Wo Guano ist, sind Nährstoffe. Pflanzliches Leben keimt. - stirbt.Gibt neue Nahrung anderem Leben, das Wurzel schlägt. Tiefere. Dünengras wuchert. Helm schießt. Wind baut weiter. Die Zwergdüne wächst. Tausende fegt die Flut weg. Hunderte bleiben. Wachsen. Breiten sich. Kleindünen. Eine neben der anderen. Möwen nisten. Sommersicher vor großen Fluten. Reste von Beutetieren verwittern. Kaltschalen bleiben zurück; Wachstumsbrücke für neue Pflanzen. So beginnt im Sand über schon tief drunten liegendem alten Schlickgrund ein neues Leben zu entfalten. In jahrhundertelangem Bauen heben die kleinen Dünen sich höher. Im Bündnis mit dem Wind, der Flugsand treibt. Im Kampfe mit dem Wind, der ihn wegholt.

Wie vor dir zu Füßen. Da sind sie erreicht, die letzten Zwergdünen der Flinthörnhoek. Das Wehen ließ nach. Gefegt ist der Boden. Wo Muscheln liegen, hat jede einen, hat jede einen streifen Sand im Windschatten hinter sich, jedes Stück Strandgut, jedes trockene Reis, jede kleinste Erhebung. Im Windschatten liegt der gesunkene Sand. So entstanden dies kleinsten Dünen hier. Auch sie hat die Flut schon mehr als einmal weggeholt. Sie waren schon viel höher und fangen immer wieder von neuem an zu wachsen. So sind sie alle einmal entstanden. So auch Flinthörn in kaum 100 Jahren. Aber auch die Dünengebirge der ganzen Insel, aller Inseln längs der ostfriesischen Küste. Aus spiel von Wind- und Sand.

Wie Flinthörn leuchtet im jähen Sonnenblick zwischen dem tiefen Gewölk! Dunkel davor der weite Sand. Strahlend die Berge der Dünen. - Eine neue Bö ist im Anzug. Der Sonnenfleck läuft weiter... taucht den Heller in eitel Smaragd... fast die Landungsbrücke und hebt sie licht aus dem nachtdunklen Hintergrund der im Osten abziehenden Sturmwolken von vorhin.

Nur wenig vom Strand ab stehen die Birkebäumchen, die die Fahrrinne anzeigen; hier fällt demnach die Sandbank schnell. Westwärts hören sie auf. Aber das schärfere Auge erkennt jenseits des Stromes der Accumer Ee den Anfang einer neuen Reihe, an Baltrum längs.

Schon ist wieder alle Sonne weg. Die neue Bö beginnt mit peitschenden Stößen. Das ist Wetter zum gesunden! Wird's lange dauern? Warum so ängstlich noch? Auf jede Blank folgt eine Blänke. Über Baltrum schießen Sonnenspeere nieder. Bald läuft ihr Leuchten hinter uns her. Mit uns. Luftig wandern im Wind und Sonne unsere flatternden Schatten voraus.
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02.09.2007 13:13
#8 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
Aus dem Logbuch der Insel

Unterm Widschutz der Randdünen, wo der Damm der großen Slopp aufhört, ruht's sich behaglich in wohliger Wärme. Rechts hinüber dehnt sich ihre tiefere Fläche, von Tausendgüldenkraut leuchtend betupft. Dahinter winken die Toppen, das Golftal und Herrenhusdünen. Zu Füßen, einen Schritt weit nur, sonnt sich die größte Siedlung werhafter blauer Stranddisteln, die die Insel trennt; umgaukelt von sandfarbenen Faltern, Bläulingen und rotgetupften Jakobinchen. Voraus aber ragt schlank und still im Sonnenglast von höchster, herrlicher Düne auf, über schlichtem Klinkersockel - das hohe Schlageterkreuz. - -

Der Blick von da droben bleibt unvergeßlich.

Melkhörndüne hieß sie bisher, nach der Meierei jenseits, wo die Außenweide entlang läuft und der Fahrweg in den Osten. Diese Melkhörngruppe ist ältester Inselboden. Hier ist die Mitte der Insel. Hier brach sie einst in Stücke. Noch vor zwei Mannesaltern konnte man bei Flut kaum zu Fuß herüber von drüben über die große Slopp.

Über die kleine Slopp herüber brechen laut und gierig Scharen von Möwen seewärts auf, wo die Ebbe die Sände freilegt, und Beute winkt.

Warum rieselt der Sand durch die spielenden Finger. Wie träumt sichs gut mit geschlossenen Augen in dieser herrlichen Sonne!... Bilder gleiten ins Bewu?tsein. Leben und erzählen... Blätter aus dem Logbuch der Insel beginnen ihre Sprache zu reden... Viele von ihnen sind vergilbt, dies nur und jenes verratend vom Sinn ihrer Zeilen. Viele auch fehlen. Lücken klaffen. Weite Zeitspannen trennen oft ihre großen Überschrifften:

...Des Germanicus' Flotte strandet vor der Ems. Schiffbrüchige Legionäre retten sich auf unbewohnte Eilande. Fristen kaum ihr Leben. Der Winter bringt sie um. Rüstung und Knochen überweht Flugsand.

...Sturmfluten kommen. Aber die Inseln werden langsam besiedelt. Normannen und Dänen fallen ein. Trümmer und Leichen bleiben nach ihrem Abzug. Flugsand verweht sie.

...ZwischenFluten wagt Menschentrotz neue Siedlung. Kümmerlich ist das Leben. Es wird gelebt. Noch sind sich Insel und Festland an einer Stelle auf Rufweite nahe. Da zerschlägt um 1400 die Sturmflut die Küste. Ertränkt ganz Dßum in Watt und Schlick.
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03.09.2007 13:13
#9 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
1570 suchen die Wassergeusen die Insel heim. 1588 treiben Trümmer und Schiffbrüchige der spanischen Armada an.

1686 bedrohen Sturmflut und Sand die ganze Siedlung auf dem Westende der Insel. Die spärlichen Felder versanden. Die Dünen kommen über die Häuser her. Sturm und See reißen die Westkante ein und holen sie ins Meer. Um die Jahrtausendwende verlegen die Langeooger ihre Wohnstätten nach dem Ostende, das gesicherter scheint. Zehn Jahre später wird dort ein Kirchbau begonnen. Dreißig Schulkinder zählt jetzt die aufblühende Gemeinde. Da zerschlägt
1717 die große Karsflut am Weihnachtstag grausam alle Hoffnung. Die See bricht durch die Inselmitte. Die große Slopp ensteht. Nur bei Tiefebbe begehbar. Die Hoffnung auf Sicherheit im Osten ist dahin. Die wenigen überlebenden Familien siedeln unter unsäglicher Mühsal zum Westende zurück. Kaum stehen die Häuser drei Jahre, da zwingt die Unheilsflut
1721 auch die neue Westsiedlung wieder preiszugeben. Langeoog verödet. In drei getrennte Gruppen lagern seine Reste. Kaap- und Herrenhusdünen im Westen, Melkhörngruppe zwischen der großen Slopp und einem weiterem Durchbruch östlich, zuletzt die Gruppe Dreebargen mit ihrem Hinterland, das sich weiter südöstlich bis ins heutige Watt erstreckt.

1723 macht die Regierung einen Versuch, das Westende neu zu besiedeln. Mit acht Familien von Helgoland. Weitere folgen nach 20 Jahren aus Eiderstedt in Holstein. Unter den ersten Siedlern die Namen: Leiß, unter den letzteren: Pauls. Sie halten die Insel.

Jahrzenhnte gehen. Wellen und Wind legen einen niedrigen Mantel von Flugsand als junge Vordünen seewärts vor die drei großen Überreste der Insel. Die Bänke in See und die sie trennenden kleineren Gaten verändern ihre Lage. Gleiches geschieht mit der Stromrichtung der Tide. Am Westende wird auch die neueste Staffel Vordünen hart auf die älteren gestaucht. Im Süden aber und längs des ganzen Nordstrandes bleibt die Linie der neuen Vordünen ein beträchtliches Stück nach See zu liegen. Die Südseite der Vördünen beginnt zu verwachsen. Sie nehmen an Höhe zu. Werden zu stattlichen Randdünen, die wie ein Wellenbrecher längs des Nordstrandes die Dünen schützen. Schon bauen wieder an ihrem Fuß Wind und See neue junge Vordünen auf. Sturmfluten reiten wohl immer wieder gegen sie an, die Gestalt der Kette wechselt hier und da im Vorfeld und Kammbild ihr Gesicht. Aber nur einmal gelingt dem Meer noch ein Stoß durch diese schützende Front. Februar 1825 reißt es die kleine Slopp in die Kette.

Aber seit der Wellenbrecher der Randdünen wuchs, breiten sich zwischen ihnen und den alten Binnengruppen liebliche, grüne Dünentäler aus. Nur an der großen Slopp wollte sich lange die Kette der Randdünen nicht schließen. Langjährige Versuche, mit totem Busch die Sandanhäufung zu erleichtern und den Flugsand festzuhalten, scheiterten. Bis endlich eine berechnende Anpflanzung von Helm zur steten Sandablagerung führte, der Damm sich selbst baute und die Lücke schloß.

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04.09.2007 13:13
#10 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
Inzwischen konnte die Inselsiedlung in Ruhe sich festigen. Wiesen sichern, Gärten und einige Äcker wieder neu gewinnen. Manches Mal freilich stand die Flut bis an die Häuser. Ja, bis zu einem Meter hoch in ihnen. Aber sie bedeutete nicht nur Gefahr. Oft genug wenn sie Schlick zurückließ, ohne Land zu fressen, half sie zur Verbesserung der gewonnenen Länderreien. Erste Deiche nach dem Watt zu halfen das Gewonnene sichern. Das Leben blieb trotzdem hart und arm. Fischerei und Schillfang ernährten die Inselleute. Noch lohnte damals das Verladen dieser aus dem Watt geholten Muschelmengen, aus denen man am Festland Kalk brannte.

Zur Franzosenzeit aber blühte der Schmuggel. Zwar saßen die französichen Douaniers im verschanzten Lager am Ostende Langeoogs und wachten über die Gaten. Aber zum englischen Stapelplatz Helgoland kreuzten die Langeooger doch oder holten, durch nächtliche Feuer und Signale gerufen, in der Nordsee draußen von den englischen Schiffen, was an verdienstbergender Ware zu haben war und verfrachteten es in abenteuerlicher Fahrt dunkler Nächte nach dem Festland. Die Winkel der Dünentäler gaben verschwiegende Verstecke ab für Zucker, Tabak, Baumwolle, Tee, Kaffee und alle möglichen Schätze von Übersee.

Aber dem Engländer gehörte halt noch die Nordsee. Auch Langeoog bekam es zu spüren. An hundert Segel englischer Frischbutter standen oft genug draußen vor den Riffen. Erst die werdende deutsche Flotte schuf Sicherheit und Schutz.

Inzwischen aber begann sich das Antlitz des Dorfes zu wandeln. Zu der Zeit, als draußen der erste Dampfer seine Straße zog, hatte für die Insel und ihr Dorf ein neuer Lebensabschnitt begonnen.

- - -

Jetzt ist die <Bremen> dahinten, die am frühen Nachmittag lautlos die Kimm entlangzieht. Das Glas holt ihre ganze Größe und gedrängte Kraft ins deutliche Sehfeld. <Bremen> liegt in großer Fahrt auf Heimatkurs.

Ein rüstiger Marsch auf festem Ebbestrand endet den Tag. Wo die Burgen beginnen am sommerlich lebhaften Badestrand, die Wimpel flattern und Kinderjubel mit Wind und Sonne spielt, liegen unter dem Sand der See die Reste des einstigen Dorfes, das 1721 die Flut endgültig begraben. Eine Sturmflut legte sie vor Jahren einmal frei: Hausgevierte und Grenzspuren menschlicher Siedlung. Und unter den heutigen Randdünen ruhen hier die Toten des alten Friedhofes, wuchtet noch eine sieben Fuß dicke Mauer. Ob es die alte Kirche war?

Sand, Sand, Sand deckt das Einst. Aber im Logbuch der Insel schreibt unablässig jedes Jahr ein neues Blatt.
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05.09.2007 17:17
#11 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
Wer viel fragt ...

Mein lieber...
Draußen strömt es; Gewitterregen. Auf dem Dach meiner Glasveranda prasselt's nur so. Aber in einer Stunde spätestens werden Sonne und Wind alle Nässe wieder aufgeleckt haben. Willkommene Gelegenheit, derweilen Deinen Schreibebrief mit den vielen gesetzten und vergessenen Fragezeichen zu beantworten. Altbacken würde ich ihn sowieso nicht werden lassen. Denn ich erwarte, daß Du mit Deiner ganzen Sippschaft von Jungs und Töchtings zu Ferienbeginn hier antrudelst. Grüß mir sie alle, insbesondere Frau Sigrid.

Du fragst... Na ja, also: Jawohl ich bin allein hier. Selbstverständlich kommen die anderen alle nach, sobald die Kinder können. Denn: Deine skeptische Frage, ob ich denn Langeoog für die schönste Nordseeinsel halte, beantworte ich für uns durchaus bejahend. Du weißt, daß wir schon im vorigen Jahr hier waren. Dabei hatten wir nicht geringe Spannungen zu überwinden. Die Kinder, weil ihre Erinnerungen an frühere Ostseewochen sie überzeugt sein ließen, das Paradies sei dort; und ich, weil ich alle deutschen Nordseeinseln kannte bis auf Langeoog. Freilich ist der Maßstab: <die Schönste> sehr persönlich bestimmt. Aber Du kennst uns ja. Tätsächlich muß ich sagen: Diese lebendige Einheit von Lieblichkeit und Größe, Herbheit und Gelöstsein, Einsamkeit und Leben hat mich ganz gepackt. Uns allesamt.

Was Euch betrifft, so brauchst Du mir in geldlicher Hinsicht nur Deine Wünsche zu sagen. Ob Ihr selbst wirtschaften wollt oder volle Pension vorzieht. Wieviel Räume Ihr braucht. Und so. Aber bitte bald. Sonst kann ich nicht dafür einstehen, daß Ihr noch unterkommt. Wir werden wieder unser Schifferhäuschen beziehen. Und hinterher wirst auch Du bestätigen, daß man hier fast gnauso billig leben kann wie in der Großstadt. Es fehlt eben jede Versuchung oder Nötigung zu übertriebenen Nebenausgaben. Wohin ich die tausend Dinge rechne, die in so manche Bäder ein erhebliches Küchlein von Asphalt und Betrieb tragen. Luxus paßt nicht nach Langeoog
. Wer ihn sucht, soll anderswo bleiben. Aber wer Ruhe, Entspannung, Weite, ursprünliche Naturverbundenheit, schönheit und Größe sucht, der komme! So ist der Stamm der Gäste hier gediegen - Du eingeschlossen, sobald Du da bist - und entsprechend einfach die Inselleute. In erster Linie Ferien. Das dürfte Dir genug sagen. - -
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06.09.2007 14:14
#12 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
Ich wurde unterbrochen. Mein Hauswirt tauchte auf. Und so'n lütten <Snack im Regen> habe ich allemal gerne. Es schmökt sich so gemütlich, und man lernt dabei. Da ich Deinen Sinn für möglichst vielseitige Fragestellung kenne, will ich Dir gleich einiges davon verpassen. Einen Friesen brauche ich Dir nicht zu schildern. Du bist im Bilde von wegen schlank, blond, blauäugig. Stimmt nicht nur immer gleich alles. Aber blond ist er. Und helle, blaue Äuglein unter seinen buschigen Brauen hat er auch. Dazu sogar einen echten Friesenbart. Ist alter Fahrensmann gewesen und hat inzwischen Dorf und Bad wachsen gesehen. Davon kann er mir erzählen. Und nun weiß ich:

So im zweiten Drittel des vorigen Jahrhunderts erst kam man auf den Gedanken, es auch auf Langeoog mit dem Baden zu versuchen. Es sah damals freilich noch sehr anders aus als heute. Die Dünen kaum bewachsen, denn die regelrechte Anpflanzung von Helm zu ihrer Befestigung kannte man noch nicht. Und doch wurde erst durch sie dem ungehemmten Vordringen des Flugsandes Einhalt getan und eine Begrünung der Dünen ermöglicht. Denn die dort wachsenden Pflanzen lieben wohl allenfalls den Sand unter sich, aber nicht über sich. Nur der Helm wächst fröhlich durch den nachgewehten Sand nach oben. Und durchwuchert so ganze Dünenberge von Grund auf. Er bleibt ja auch mit seinem Queckenhaften, verfilzten Wurzelwerk, fast das Letzte von einer Düne, wenn etwa doch der Wind sie sich holt und langsam mit den Jahren ausbläst.

Auch mit dem Dorf selbst war es damals noch -, aber stopp, wie ich Dich kenne, wirst Du doch rückfragen, wie der erste Badegast hieß und wann das genau war. Ein Herr von Vangeroog im Jahr 1830. Ich will Dir auch gleich ein paar weitere Daten geben. 1856 erschienen die ersten Badekarren und ersetzten ein bis dahin zum auskleiden benutztes altes Wrack, das hoch auf Strand lag. 1859 steht erstmals seit 1721 eine, wenn auch winzige, Kirche auf der Insel. 1863 wird das erste Logierhaus eingerichtet und bald fürstlich benamset, nachdem eine Durchlaucht, auf Norderney mit ihresgleichen verkracht, auf der Suche nach einer möglichst einsamen Insel ein Auge auf Langeoog geworfen, um dort ihren Zorn standesgemäß auszutoben. Hat Pulver und Blei und vielen Kaninchen das Leben gekostet. Aber das junge Seebad durfte Gewinn davon buchen nicht nur wegen der Freigiebigkeit von <Fürst Ohm>, wie man sich das höfliche <Durchlaucht> in die Inselsprache hereinholte, sondern wegen der ernsthaften fürstlichen Empfehlungen im Butenland. Die Zahl der Gäste wuchs. Die der Kaninchen nahm ab. Und zwar sehr plötzlich. Man hat sie einfach ausgerottet. Sie bildeten eine dauernde Gefahr für Graswuchs und Dünenfestigkeit. Von den Hasen, die heute herrschen, gilt das nicht.
Trödel
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07.09.2007 13:13
#13 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
1884 begann der Bau des Inselhospizes durch das evangelische Kloster Loccum unter seinem Kurator Barckhausen. Von da blühte das Seebad besonders auf. Mit dem Bau der Landungsbrücke wenig später war das Herüberkommen zur Insel sehr erleichtert. Kurz vorher entstand die jetzige Inselkirche. Mein Hauswirt brachte mir vorhin ein vergilbtes Bild aus jener zeit. Um den Turm steht noch das Gerüst. Verglichen mit dem Blick, den ich gestern vom Ausflug des Wasserturms hatte, zeigt sie den ganzen Unterschied von einst und jetzt. Damals fast nur kleine niedrige Friesenhäuschen, zwar alle mehr oder weniger westöstlich gerichtet, aber wahllos verstreut. Wahllos, das heißt: wie es den Erbauern gut schien - hinter einer der Vordünen, oder auf einer warfähnlichen Kuppe, oder am alten Deich. Die meisten von ihnen stehen ja heute noch. Aber sie sind zum Teil abseits geraten von den inzwischen entstandenen Fluchtlinien der Straßen und Wege. Saubere Klinkersteige zu mindestens laufen jetzt überall längs. Fraglos hat sich Langeoog seit jenem Einst auf dem vergilbten Bild sehr zum Vorteil verändert. Abgesehen von einigen wenigen baulichen Entgleisungen der Zwischenzeit überraschen neuere Bauten durch gute Einfügung in die Landschaft und sind oft vorbildlich hingestellt. Dabei die Entfernungen im Dorf erstaunlich klein trotz der offenen Siedlungsweise, die bewust beibehalten, sehr wesentlich mitbedingt, daß hier im Gegensatz zu manch anderer Insel weder drückende Schwüle noch feuchte Treibhausluft zwischen den Häusern lastet. Jederzeit spielt der nimmermüde, herrliche Wind frei und gesund über ganz Langeoog hin.

Ebenso überraschend kurz, obendrein aber bequem und zahlreich sind die Pfade zum Badestrand. Na, und der Strand! Steinfrei, ohne künstliche Befestigung durch Buhnen. Glatter herrlicher Strand. Breit, aber auch bei Ebbe nicht zu breit. Du weißt wie wesentlich beides ist. Und so sauber. Eine Luft auch an rauhen Tagen. Denn er kann tennisfest sein. Und läd jung und alt gleicherweise ein zum Spielen, Springen, Bummeln, Wandern, Fahren oder Reiten. Zwischen Flutmarke und Dünenfuß fabelhafter Sand. Rein, feinkörnig und weiß.
Trödel
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09.09.2007 16:16
#14 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
Sand, See, Sonne und Segelwind! Die vier locken ale Verkrampfungen des Städters zu köstlicher Gelöstheit. Entspannen und sammeln zugleich Kräfte auf. Nirgends sonst an der Nordsee fand ich das Baden so ungezwungen und deshalb fördernd. Mit den Buhnen fehlen auch gefährliche Sonderströmungen. Man kann, mit Vorsicht natürlich, auch bei Ebbe baden und ist nicht unbedingt an die Flutzeit gebunden. Da der Badestrand nach Nordnordwest sieht, kommt die Flut mächtig auf. Die Brandung schäumt, daß bei Nordwest auch für den geübten Schwimmer das Schwimmen aufhört, mühelos zu sein. Brecher um Brecher zwingt zum gesündesten Training. Die salzhaltige Feuchtigkeit der staubfreien, immer bewegten Luft, Sonne, Sand und die Sole der See tun Wunder, besonders in so einzigartiger Verbindung und Steigerung wie hier.

Natürlich darf man sich keineswegs nur wie faule Robben in die Sonne legen und im Sande aalen. Zu Bewegung und Wandern treibt nicht nur sportliche Einsicht, sondern mehr noch die Lockung der Weite und die heimlichen Wunder verschwiegener Dünentäler.

Das ich's übrigens nicht vergesse! Nicht zu viel Kleiderzeugs mitbringen! Hier braucht man wenig. Seht Euch aber auch für kühlere Tage vor. Ausziehen kann man sich immer noch. Dies ist hier die einzig große Mode: Im Sonne möglichst leicht. Ich komme oft tagelang in keine eigentlichen Kleider. Polohemd mit dunkler Sporthose und Badeanzug genügen Dir wochentags von morgens bis Mitternacht. Ich finde gerade auch in diesem Fernsein von allen Kleiderschikanen der Stadt etwas köstlich Befreiendes.

Der Regen läßt nach. Im Rosenbusch und im Gehänge der Bocksdornlaube vor dem Fenster glitzern die Tropfen schon wieder wie tausend Perlen in der durchbrechenden Sonne. Das Wetter grollt nur noch über dem Festland. Haut also dort ab, sobald es geht.
<Denn kriegt wi hier alens to seihn>.

Und dann wird der <Snak im Regen> sich wohl fortsetzen in manchem <Snak im Sonne>.

NS. Ach so: Zufahrtswege??? fragst Du ja noch am Ende. Guck in den Werbeschrieb der Badeverwaltung. Langeoog ist heuer die am schnellsten zu erreichende Nordseeinsel. Kurswagen und Kursdampfer! Eine neue Bensersieler Fahrrinne, unabhängig von Ebbe und Flut! Na also!
Trödel
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10.09.2007 12:12
#15 RE: Langeoog <Ein Nordsee-Insel-Buch> Antworten
Inselfreuden:
(Spritzer aus einem Tagebuch)


Sonne, Sonne und wieder Sonne. Die blutigen Neulinge laufen verbrant und salbenduftend durchs Gelände; peinlich berührt, wenn man fragt, ob sie gut geschlafen haben. Tja, auch das Sonnenbaden soll man langsam angehen lassen. Schon ist die Welle der Müdigkeit überwunden, die den Städter erstmal überfällt. Sie will in völliger Hingabe genossen sein. Aber dabei soll es nicht bleiben. Alle Poren des Lebens wollen sich öffnen und das Neue, ganz andere, mit seinen Gesundungskräften nicht nur leiblich, sondern auch seelisch einfangen.

--Das baden wird jeden Tag schöner und ausgiebiger zum Fest. Königliches Freisein. Sicher vor allen beruflichen Anliegen ... und Anrufen. Aber frei zugleich f ü r diese ganz anderen Gefilde des Lebens hier. Sowohl für das Erhabene wie das Unscheinbare, das sie umschließen. Schauen, sehen, entdecken. - Geheimnis und Würze dieser Tage in einem!

--Vogelkolonie-- Vogelparadies! Auch jetzt noch, wo die Brutzeit schon zu Ende geht. Welcher Reichtum in diesem größten der westlichen Schutzgebiete. Die Jungen sind schon flott zugang. Putzig genug. Manche Sippe streng getrennt in ihrem Gelege. Silbermöwen, Brandgänse, Strandläufer, Austernfischer, Rotschenkel, Seeschwalben, Lachmöwen -- ein gefiedertes Heer! Das Herrenvolk wiegt vor. Zumal die <Seewölfe> der Gattung Raubmöwen. Königlichen Fluges, starksichtig, beutescharf und ersättlich.

--Wie doch so ein Arzt Zusammenhänge erfassen lehrt, die man sonst mehr spürt als sieht: klimatische Allgemeinwirkung durch stärkere ultraviolette Bestrahlung und die Salzsole des Wassers heilsam verstärkt; Vorschub stärkerer Eiweisbildung, Kalk und Phosphoransatz. Keimfrei der Luft, verbündet mit ihrem Feuchtigkeitsgehalt, unterstützt Sauerstoffreichtum. Dauerfrottage durch gesund temperierten Wind reguliert Hautatmung von Grund auf neu, schlackt die städtischen Stauungen im Wärmeausgleich, dieser ebenso wichtigen Hautfunktionen, aus. Gesamte Drüsenfunktionen erhalten neuen Rhytmus. Wachstumsstörungen erleben Ausgleich, nicht zum wenigsten durch die natürliche Jodzufuhr. Die Heilkraft der Nordsee bedeutet nicht nur Abgematteten neue Spannkraft, sondern ist Heilkraft für die verschiedensten Erkrankungen, zumal der Luftwege und typische Wachstumsanomalien, zu bewerten.
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