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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Historisches
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Beiträge: 64.542

14.01.2008 19:09
Langeooger Ruderrettungsboot in schwerem Eiseinsatz im März 1942 Antworten
Langeooger Ruderrettungsboot in schwerem Eiseinsatz im März 1942

»...kriechend über das brüchige Scholleneis den Strand zu erreichen ..."


Nach einem Originalbericht.

Bei eisigem Oststurm und dichtem Schneetreiben strandete am 5. März 1942 ein Lotsendampfer nördlich von Spiekeroog. Ein Minensuchboot und ein Vorpostenboot der Kriegsmarine versuchten trotz schwerer Treibeishinderung, die Mannschaft des Lotsendampfers, über den ständig grobe Seen hinweggingen, zu bergen. Bei dieser Aktion kenterte ein Kutter des Minensuchbootes. Die Kutterbesatzung wurde bis auf einen Mann durch das Vorpostenboot, das bei dieser Hilfeleistung selbst auf flachen Grund geworfen wurde, gerettet.


Inzwischen war auch von unserer Rettungsstation Langeoog die mit einem Ruderrettungsboot ausgerüstet ist, Alarm gegeben worden. Für das Rettungswerk stand unserm Vormann Kapitän Hillrich Kuper jr. nur das Ruderrettungsboot zur Verfügung, da die in den Nachbarstationen stationierten Motorrettungsboote wegen der völligen Vereisung des Watts und der See nicht zum Einsatz kommen konnten.

Es galt nun zunächst, in dem völlig vereisten Küstengebiet eine eisfreie Stelle zu suchen. Das Boot wurde mit einem Vorspann von 8 Pferden an eine geeignet erscheinende Strandstelle gebracht, doch hatte sich überall das Eis zu so hohen Bergen gestaut, dass ein Zuwasserbringen des Bootes trotz eines Einsatzes von 40 Soldaten nicht möglich war.


Erst mit dem Einsetzen des Ebbstromes am Nachmittag wurden die gewaltigen Treibeismassen vom Strand abgesetzt und das Wasser soweit frei, dass es mit der Unterstützung der 40 Soldaten gelang, wiederum über hohe Eisberge das Boot zu Wasser zu bringen.


Nach mehrstündigem Kampf mit Eis und See gelang es dem Rettungsboot, an das stark vereiste und bereits teilweise vollgelaufene Vorpostenboot heranzukommen und 12 Schiffbrüchige in das Boot zu übernehmen. Da im Rettungsboot bereits 12 Mann Besatzung waren, so war das Boot durch das Hinzukommen der 12 Schiffbrüchigen schwer beladen. Bei sehr ungünstigem Wind und Strom wurde die Heimfahrt angetreten, aber es gelang zunächst nicht, von den Sandbänken freizukommen. Die Lage, in der sich das Rettungsboot befand, war sehr gefährlich, und es musste die ganze Kraft der Mannschaft eingesetzt werden, um von den Sandbänken freizukommen, was nach 3 1/2 Stunden schwerer Arbeit und bei 12-14 Grad Frost gelang. Mit der Flut setzte aber wiederum starkes Treibeis ein, so dass das Boot vom Eis bald fest umklammert war. Da es sich jedoch in der Mitte des Fahrwassers befand, bestand vorerst keine Gefahr, von dem Eis auf Grund gesetzt zu werden. Mit dem günstigen Strom wurde das Rettungsboot schließlich an das Ostende der Insel Baltrum geschoben. Die Eisbewegungen und die ungefähre Lage, in der sich das Boot befand, wurden durch Scheinwerfer, die von Langeoog und Baltrum das Eis dauernd beleuchteten, festgestellt. Erst um Mitternacht kam das Eis zum Stehen. Das Rettungsboot befand sich jetzt noch ca. 60 Meter vom Strand an einer Stelle mit ca. 20 Meter Wassertiefe.

Da bestimmt damit zu rechnen war, dass binnen kurzer Zeit das Boot mit dem Eis wieder hinaustreiben würde, entschloss sich der Vormann Kuper, den Versuch zu machen, den Strand über das zusammengeschobene Treibeis zu erreichen. Es wurden nun Bootsriemen zu Hilfe genommen, und der Rettungsmannschaft sowie den Schiffbrüchigen gelang es, in mühevollem Ringen kriechend über das brüchige Scholleneis den sicheren Strand zu erreichen. Eine Bergung des Bootes war nicht möglich.

Nach einer Stunde Fußmarsch in harter Frostnacht gelangten die Retter und die Schiffbrüchigen schließlich in Witjes Strandhotel, wo den Kranken von einer DRK-Schwester Erste Hilfe zuteil wurde. Am nächsten Tag konnte die Rettungsmannschaft zu Fuß über das Eis den Rückmarsch zum Festland antreten, während die Kranken im Schlitten transportiert wurden.


Diese Rettungstat, die wiederum Mut, Ausdauer und höchste Einsatzbereitschaft unserer freiwilligen Rettungsmannschaft zeigt, verdient höchste Anerkennung. Sie musste unter unfassbaren, kaum zu ertragenden Bedingungen durchgeführt werden.

Gleichzeitig mit der Rettungsstation Langeoog waren auch unsere Rettungsstationen Helgoland und Cuxhaven alarmiert worden. Trotz schwierigster Wetterlage liefen die Motorrettungsboote der beiden Stationen aus, ohne allerdings infolge der vorerwähnten Eisschwierigkeiten noch zum Einsatz zu kommen. Trotzdem haben die Mannschaften auch auf dieser vergeblichen Rettungsfahrt hohes seemännisches Können und Einsatzfreudigkeit bewiesen.

Es handelt sich um die Motorrettungsboote »Daniel Denker« und »August Nebelthau«. Die Besatzungsmitglieder des Ruderrettungsbootes waren:

Maler Erich Bents

Seemann Harm Börgmann

Bauführer Hinrich Eilts

Lokomotivführer Alfred Veith

Frisör Heinrich Hoffrogge

Kapitän Hillrich Kuper jr.

Kapitän Johann Kuper

Kapitän Otto Leiß

Schlosser Tjard Manott

Frisör Heinrich Wilken

Dünenvorarbeiter Johann Wilken
Angefügte Bilder:
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Trödel
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Beiträge: 64.542

30.04.2012 04:40
#2 RE: Langeooger Ruderrettungsboot in schwerem Eiseinsatz im März 1942 Antworten

ERINNERUNGEN AN EISRETTUNG VOR 70 JAHREN

Einen ganz besonderen Gast konnte Herbert Grohmann am Freitagnachmittag im Schiffahrtsmuseum begrüßen. Gerhard Johannsen war auf die Insel gekommen, einer der Überlebenden der berühmten Eisnotrettung vor Langeoog vom 5. März 1942, bei der zum letzten Mal ein Ruderrettungsboot von Langeoog zum Einsatz kam.

Gerhard Johannsen, der gemeinsam mit seinen Töchtern Kirsten und Sigrid auf die Insel gekommen war, gehörte zur Besatzung des Vorpostenbootes 2001, das vor Langeoog bei Eisgang auf Sand geriet. "Die Sicht war so schlecht", dass unser Kommandant und auf Basis der Fahrt durchs Wasser bereits vor Wangerooge wähnte. Duch den starken Ostwind war die Fahrt aber viel langsamer gegangen, als erwartet.

Zahlreiche Kollegen wurden vom Rettungsboot mit Vormann Hillrich Kuper übernommen, er selbst wurde später von einem Motorboot des Minensuchbootes M225 gerettet.

In einer der kommenden Ausgaben der Langeoog News berichten wir ausführlich über die Erinnerungen von Gerhard Johannsen, die er detailliert aufgeschrieben hat und die Überlieferungen der Rettung, die auf Langeoog bekannt sind.


Quelle und bild: www.langeoognews.de

Angefügte Bilder:
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